Terroir Moselle bei der EU-Regions Week

Winzer und Winzerinnen, vor allem von kleinen Weingütern, müssen sich tagtäglich vielen Herausforderungen stellen. Für die wirtschaftliche Nachhaltigkeit ihrer Betriebe ist es wichtig, langfristig auch Kunden aus benachbarten Städten und Ländern zu gewinnen. Dabei unterstützt die EWIV TERROIR MOSELLE als europäischer Zusammenschluss bereits die WinzerInnen im Moseltal im Rahmen eines INTERREG-Projektes, welches das grenzüberschreitende Weintourismusangebot Via mosel‘ entwickelt und umgesetzt hat.

Ohne einen effizienten Online-Weinverkauf und -Versand nützt diese grenzüberschreitende Vernetzung zwischen Weingütern und Kunden jedoch nichts. Um diese Thematik genauer zu untersuchen hat die EWIV das Thema Verbrauchssteuer mit Experten aus den Zollverwaltungen der Großregion bearbeitet. Dabei zeigte sich, dass die Umsetzung der aktuellen EU-Richtlinie den Versand an Privatkunden in andere Mitgliedsstaaten sehr komplex und kostenaufwändig macht und damit oftmals zur Ablehnung von Bestellungen durch die Winzer führt. Gleichzeitig ist der Direktverkauf ab dem Hof an einen Privatkunden unkompliziert – dieser darf bis zu 90 L für den eigenen Konsum abholen.

Im Rahmen der von der EU organisierten European Regionsweek, hat Terroir Moselle EWIV eine Podiumsdiskussion mit politischen Vertretern organisieren können, um konkrete Änderungen der aktuellen EU-Richtlinie 2008/118/EG (und ihre Umsetzung) zu diskutieren. Zwei EU-Abgeordnete – Frau Christine Schneider (Deutschland) und Herr Christophe Hansen (Luxemburg) sowie ein französischer Abgeordnete Herr Dominique Potier sind der Einladung Terroir Moselles gefolgt und haben unter der Moderation von Frau Beate Schindler (Journalistin beim deutsche Magazin FOCUS) das Thema eingehend besprochen um erste konkrete Schritte einleiten zu können.

Frau Schneider betonte dabei, dass ihr die Problematik trotz 20 Jahren Arbeit in der Weinbaupolitik in Rheinland-Pfalz neu war – es fehlt an Sichtbarkeit bei diesem Problem, welches alle WinzerInnen und Weinkellereien, die Privatkunden beliefern, gleichermaßen betrifft. Die Zusammenarbeit von vier Ländern durch die Terroir Moselle EWIV sei ein wichtiger Schritt und zeige, dass die WinzerInnen nicht allein vor diesen Hürden stehen.

Herr Potier schlug vor, soweit der EU-Gesetzrahmen es vorsieht, über 2 oder 3 Jahre einen Versuch in der Großregion zu starten. In diesen vier Länder, soll es erstmals möglich sein, eine Weinmenge unter einem gewissen Schwellenwert (z.B. 90 L) an einem Privatkunden zu versenden bzw. zu liefern. Die Verbrauchsteuer und Mehrwertsteuer wird in diesem Fall im Produktionsland angemeldet und entrichtet. Wenn der Versuch erfolgreich abläuft, könnte diese Regeln auf alle 27 Mitgliedstaaten erweitert werden.

Außerdem soll das Thema der Vereinfachung der Verbrauchsteueranmeldung auf die Tagesordnung der kommenden französischen EU-Präsidentschaft gesetzt werden, mithilfe des französischen Europa-Staatssekretär Clément Beaune.

Eine weitere Vorgehensweise schlug Herr Hansen vor. Die Einführung eines „One-Stop-Shop“ für die Anmeldung und Entrichten der Verbrauchssteuer in allen EU-Mitgliedsstaaten, ähnlich dem der Mehrwertsteuer. Eine praktikable Lösung ohne Schwellenwert, die jedoch in der Vergangenheit aus Kostengründen von der europäischen Kommission abgelehnt wurde. Zudem gilt es zu berücksichtigen, dass die Umsetzung einer solchen Anwendung langwierig ist.

Im Vergleich dazu wäre die Einführung eines Schwellenwert, bis zu welchem die Steuer im Weinproduktionsland bezahlt wird einfacher umzusetzen.

Die Mitglieder der Terroir Moselle EWIV werden die weiteren Schritte eng verfolgen.

 

Zur aufgezeichneten Podiumsdiskussion:

Future of European wine shipping in the European Single Market: a best practice from the European Moselle valley – 12WS21297 (swapcard.com)

X